-
Eineiige Zwillinge
Es waren einmal zwei Kinder, ein Zwillingspaar. Unzertrennlich. Eins im Wesen, im Willen – und in der Schuld. Sie taten Dinge, die unaussprechlich waren, schauten weg, gehorchten, halfen mit. Als alles in Trümmern lag, kam die Trennung als Konsequenz für ihre Taten. Der eine wurde westwärts gegeben. Dort lernte er zu wählen, zu kaufen und zu träumen. Man zeigte ihm glänzende Fassaden und sagte: „Das ist Freiheit.“ Er wurde stark, schön, stolz – und selbstgefällig. Der andere kam in östliche Obhut. Man band ihm die Zunge, verschloss ihm die Türen, malte ihm die Welt in Schwarzweiß. Er durfte nicht reisen, nicht entscheiden, nicht sein. Doch tief in ihm blieb ein…